United Kingdom

Zwei Wochen in Brighton: Ein bisschen wie Urlaub

Am 20. Juli bin ich in London Gatwick gelandet – und zwar 40 Minuten vor der geplanten Landezeit. Dank der Zeitverschiebung bin ich also um 10:15 Uhr in Berlin gestartet und um 10:40 Uhr in London gelandet. Das war rekordverdächtig. Ich wusste nich genau, wie ich reagieren würde, wenn das Flugzeug auf der Landebahn langsam ausrollt. Zumindest war der finale Abschied von meinen Liebsten am Flughafen Tegel ziemlich surreal. Wirklich realisiert habe ich den Moment erst in der Luft.

Welcome home

Revolut hat mir einen Moment der Gänsehaut bereitet, da die App mich völlig überraschend begrüßt hat – und zwar zuhause. Auf diesen süßen Willkommensgruß war ich tatsächlich nicht vorbereitet. Die Grenzkontrolle verlief schnell, unspektakulär und trocken. Das Covid-Dokument, welches vor der Einreise nach UK auszufüllen ist, hat sich kaum jemand angesehen. Es dient dazu festzuhalten, wo man sich aufhält und wann man plant abzureisen. Dieses Feld durfte ich glücklicherweise frei lassen. Schnell huschte ich durch den Flughafen zum Bahnsteig, um den Zug nach Brighton zu erwischen.

Queen’s Road, Brighton – Die Straße führt vom Hauptbahnhof geradewegs zur Seafront

Brighton selbst zeigte sich am Tag meiner Ankunft von der schönsten Seite. Es waren angenehme 23 Grad, die Sonne schien und es war keine einzige Wolke am Himmel. Ein paar Schritte weg vom Bahnhof, schimmert auch schon das Meer. Die Möwen kreisen ihre Bahnen und kreieren mit ihren Lauten unweigerlich Urlaubsfeeling. Ich wohne nun dort, wo andere Urlaub machen. Ein tolles Gefühl.

Am ersten Tag hatte ich absolut keine Nerven für Bürokratiekram oder großartige Einzugsarbeiten. Ich kam in meinem neuen Zuhause an, nahm die Räume unter die Lupe, kaufte schnell Bettwäsche und Duschgel und erkundete dann die Stadt. Glücklicherweise kann man fast alles zu Fuß laufen. Ich wohne nur 5 Minuten vom Stadtzentrum und 5 Minuten vom Meer entfernt. Morgens mit einem Kaffee dort vorbeizulaufen, das hat eine völlig neue Lebensqualität. Die Häuser hier haben fast alle eine weiße Fassade, was eher untypisch für britische Städte im Norden und in der Mitte des Landes ist. Dennoch ist die Architektur unverkennbar. Ich finde diese kleinen Häuser mit den engen Zimmern total gemütlich.

Pubs, LGBTIQA und The Lanes

Eine von 100.000 Regenbogenflaggen

Diese Stadt ist unheimlich queer. An jeder Ecke – und das ist wortwörtlich zu nehmen – ist irgendeine queere Bar, ein queeres Pub oder irgendeine andere queere Sache. Nichtsdestotrotz ist mein Lieblingspub ein Wetherspoons. The Bright Helm ist nicht weit vom Strand entfernt und bietet ideal die Möglichkeit zwischen Wasser und Pale zu pendeln. Auch das Royal Sovereign ist wunderschön. An kalten Tagen bietet es einen Kamin, an dem man Platz nehmen kann.

Mittlerweile ist meine zweite Woche hier fast rum und so langsam rufen die bürokratischen Pflichten. Auf meiner To-do steht die Bewerbung im EU Settlement Scheme. Konkret bewerbe ich mich um den pre-settled status, der es mir erlaubt nach der Transition Period in England zu bleiben. Ebenso benötige ich eine National Insurance Number, die im Moment coronabedingt nicht vergeben werden, und etliche Nummern für die Lohnbuchhaltung, die ich für mich hier in England selbst abwickeln muss.

Zum Glück hat die Abmeldung in Deutschland unbürokratisch funktioniert. Ein einfaches A4-Dokument war auszufüllen und per Fax zuzusenden. Wie einfach die Mitteilung des Umzugs an die U.S. Embassy funktioniert, das muss ich noch herausfinden.

Einen lieben Menschen habe ich auch schon kennengelernt. Er wohnt eigentlich in London, ist aber ab und an in Brighton unterwegs. Die ersten Tage hier haben wir fast ausschließlich zusammen verbracht. Dabei habe ich gemerkt, dass die Stadt mit ihrem so sehr anderen Vibe eine positive Auswirkung auf mich hat. Sowohl meine Haut als auch mein Schlaf haben sich drastisch verbessert. Ich fühle mich weniger gestresst und laufe wesentlich langsamer. Auch mein Herzschlag ist gesünder geworden. In Berlin war jeder Spaziergang ein Marathonlauf, meine Haut eine Katastrophe und der Schlaf? Na ja, der war halt irgendwie da.

Ich bin auf die nächsten Wochen und Monate gespannt. Niemals läuft alles glatt. Ich freue mich auf die Challenges, die dieses Stadt und dieses Land für mich bereithalten.

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